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Lev Semjonovic Vygotskij. Leben – Tätigkeit – Persönlichkeit

Autorinnen: Gita L. Vygodskaja & Tamara M. Lifanova
Hamburg: Verlag Dr. Kovac, 2000
390 S., ISBN 3-8300-0178-9

Seit den 80er Jahren hat die von L. S. Vygotskij begründete kulturhistorische Theorie des Menschen und seiner Entwicklung zunehmendes Interesse in der internationalen Wissenschaft – in Psychologie, Linguistik, Semiotik, Kulturtheorie, Pädagogik u.a. – gefunden. Inzwischen holt die deutsche Rezeption langsam auf.

Das von J. Lompscher und G. Rückriem in deutscher Sprache herausgegebene Werk erhält dabei einen ganz eigenen Charakter und besonderen Stellenwert: Geschrieben hat es seine Tochter, und so werden neue Perspektiven auf das Leben, die Tätigkeit und die Person Vygotskijs ermöglicht, die dem Vygotskij-Bild nicht nur neue Facetten hinzufügen, sondern völlig neue Dimensionen eröffnen.

Auf der Grundlage bisher unbekannten Archivmaterials wird in Teil 1 Leben und Tätigkeit Vygotskijs differenziert und fundiert dargestellt; dabei werden einige Legenden der Rezeption korrigiert und manche Interpretationen gänzlich neu gewichtet. Die Teile 2 und 3 zeichnen ein lebendiges, emotional beeindruckendes Bild von Vygotskijs Persönlichkeit, zunächst aus der Sicht seiner Schüler, Mitarbeiter, Freunde und Fachkollegen, dann aus der Sicht seiner Tochter.

Von besonderem Interesse für Fachkollegen dürfte sowohl die von T.M. Lifanova erstmals vollständig zusammengestellte Vygotskij-Bibliographie, wie auch die erstmals publizierte Korrespondenz mit dem Begründer der russischen vergleichenden Psychologie, V.A. Vagner, sein. Und nicht zuletzt bieten die biographischen Kurzinformationen über Vygotskijs Mitarbeiter bzw. Zeitgenossen eine willkommene Orientierung in einem großen Bereich der sowjetischen Psychologie und einem der wichtigsten Kapitel der sowjetischen Wissenschafts- und Kulturgeschichte überhaupt.

Insofern ist dieses Buch nicht nur aufgrund der Einbeziehung des spezifischen Materials, das in dieser Form nur der Tochter zugänglich ist, für die künftige Erforschung von Person und Werk unersetzbar, sondern nimmt auch im Hinblick auf das kulturgeschichtliche Interesse einen besonderen Stellenwert ein.

Der Preis des Buches ist leider sehr hoch, woran die Herausgeber völlig unschuldig sind. Interessenten, die das Buch nicht selbst kaufen können, sollten es entsprechenden Bibliotheken empfehlen.